Pegel Heidelberg-Karlstor

Ab einem Wasserstand von 260 cm am Pegel Heidelberg-Karlstor gilt ausnahmslos Rudersperre.

Quelle: HVZ

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Aktuelles aus der Ruderabteilung

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Rudern im Winter - Hinweise zur besonderen Gefahr des kalten Wassers

Donnerstag, 03.01.19, Vereinsleben

Die Wassertemperatur des Neckars ist heute zum ersten Mal in diesem Winter unter 5 °C gefallen. Wir nehmen dies zum Hinweis, auf die besonderen Gefahren des Rudern im Winter hinzuweisen.

Besonders bei niedrigen Temperaturen ist kentern lebensgefährlich! Leider kentern nicht "immer nur die anderen" und nicht immer nur Einer. Fehlverhalten anderer Verkehrsteilnehmer oder auch Materialversagen sind ebenso wahrscheinlich und können zur Kenterung des eigenen Bootes führen. Die eigene Rudererfahrung spielt hierbei dann keine Rolle mehr.

Schwimmen können allein reicht nicht aus - eine Regel die im Sommer wie im Winter gilt und wissenschaftlich belegt ist:
Nach einer englischen Studie (UK Home Office 1981) geschahen 97% der Ertrinkensfälle in offenem Wasser weniger als 3 m von einem rettenden Ufer oder Schwimmkörper entfernt. Nach kanadischen Daten waren 63% der bei einer Bootstour ertrunkenen Menschen nicht mehr als 15 m vom Ufer entfernt (Quelle: Canadian Safe Boating Council / Smart risk survey). Zugegeben, die Daten beider Quellen liegen weit auseinander. Doch ebenso weit liegen die Ufer des Neckars auseinander. Der Neckar ist in unserem Ruderrevier an seiner breitesten Stelle über 180 m breit!

Nach Angaben des DLRG ertrinken jährlich in Deutschland etwa 400 - 500 Menschen, davon über die Hälfte in Flüssen, Seen, Bächen und Teichen. Dabei sind etwa 80 Prozent aller Opfer männlich und zwischen 16 und 25 oder zwischen 71 und 85 Jahre alt. Während die jüngeren Opfer wohl übermütig waren und Gefahren unterschätzt haben, spielten bei den Älteren Opfern auch Vorerkrankungen wie beispielsweise Herz-Kreislauf-Probleme eine Rolle.

Auch warmes Wasser kann zu kalt sein. Kaltes Wasser ist es immer.

Je nach Quelle wird bereits vor Wassertemperaturen unter 26,5 °C gewarnt. Ein im Sommer durch Training und Sonne aufgeheizter Körper wird ein unerwartetes Ein- und Untertauchen sicherlich nicht ohne Gegenreaktion über sich ergehen lassen.

Für die meisten Fachleute für "Unterkühlung durch Eintauchen" und für "Beinahe-Ertrinken/Ertrinken" ist kaltes Wasser kälter als 20 °C. Die dann eintretende Kälteschock-Reaktionen, die zum ertrinken führen können, sind im Temperaturbereich zwischen 10 und 15 °C besonders ausgeprägt. Für den Neckar ist dies regelmäßig im Zeitraum von Oktober bis April der Fall (Quelle: LuBW Jahresgang Neckargemünd)

Ein Kälteschock äußert sich durch einen starken Anstieg von Herzfrequenz und Blutdruck, unkontrollierbare Atmung (Hyperventilation und keine Fähigkeit, die Luft anzuhalten) und kann von Orientierungslosigkeit begleitet werden. In diesem Zustand ist man nicht in der Lage, seinen Kopf sicher über Wasser zu halten. Der Zustand kann bis zu 3 Minuten anhalten. Danach beginnt die Phase des Schwimmversagens, bei der kaum noch Vortrieb im Wasser erreicht wird. Der Körper erschöpft und die Extremitäten kühlen aus. Es gelingt weniger gut, den Kopf über Wasser zu halten. Wird Wasser in größerer Menge eingeatmet, ist ein Ertrinken kaum noch abzuwenden. Eine schnelle Rettung bei einem Kälteschock ist nur unter Lebensgefahr für den Retter möglich.

Ertrinken kann man auch über Wasser

Bis zu 20% der Kälteschock-Reaktionen werden von einem "Stimmritzenkrampf" begleitet. Dieser kann durch wenige Spritzer kaltes Wasser ausgelöst werden, die beim Eintauchen ins Wasser eingeatmet werden. Hierzu muss der Kopf noch nicht einmal unter Wasser getaucht sein. Der Luftweg verkrampft bei vollem Bewusstsein schlagartig so stark, dass eine Atmung nicht mehr möglich ist. Dieser Zustand wird auch als "trockenes Ertrinken" bezeichnet. Die Folge ist nicht nur Panik, sondern auch Ohnmacht. Die Verkrampfung kann sich während der Ohnmacht von selbst lösen und die Atmung wieder möglich machen. Natürlich muss der Körper hierfür noch über Wasser treiben. Dieser Fall kann am Besten mit Hilfe einer angelegten ohnmachtsicheren, automatisch auslösenden Rettungsweste überlebt werden.

Empfehlung und Pflicht zum Tragen einer Rettungsweste:

Die FISA rät zum Tragen einer Rettungsweste bei Wassertemperaturen unter 10 °C.

Hierzu können von uns zwei aufblasbare Modelle empfohlen werden:

  • Secumar Vivo 100 (Einzelpreis um 90 €)
    Diese Weste verfügt nur über einen manuellen Auslösemechanismus. Im Falle eines starken Schocks ist die eigene Fähigkeit zum Auslösen der Weste möglicherweise nicht gegeben und sie öffnet nicht!


    Bildquelle: compass24.de Onlineshop für Wassersport

  • Secumar Secufit (Einzelpreis 170 €)
    Der V-förmige Schnitt dieser Weste ist für Ruderer noch besser geeignet. Diese Weste bläst sich automatisch auf, sobald sie unter Wasser gerät, indem eine Salztablette einen vorgespannten Mechanismus löst. Der Auslöse-Mechanismus ist in die Weste gefaltet und kann durch Spritzwasser oder Wellenschlag nur schwer erreicht werden.

Für minderjährige Ruderer ist in der RGH das Tragen einer Rettungsweste im Zeitraum zwischen Mitte Oktober und Mitte April in allen Bootsklassen verpflichtend. Ausnahmen hiervon sind nur in vorheriger Abstimmung mit dem Vorstand der Ruderabteilung möglich.

Weitere Informationen:

Die Eltern eines im Jahr 2001 beim Training in Spanien ertrunkenen Ruderers des englischen Oxford-Achters (Leo Bockley) haben wichtige Hinwiese für Ruderer veröffentlicht: Kaltes Wasser – Wie du deine Überlebenschance vergrößerst

Weitere lesenswerte Informationen finden sich auf der Seite des Landesruderverbands Baden-Württemberg, beim Landesruderverband Schleswig-Holstein und auf unserer Themenseite.

Nehmen Sie die Hinweise bitte ernst.