Pegel Heidelberg-Karlstor

Ab einem Wasserstand von 260 cm am Pegel Heidelberg-Karlstor gilt ausnahmslos Rudersperre.

Quelle: HVZ

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Aktuelles aus der Ruderabteilung

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Ruderwanderfahrt auf der Mosel vom 27.7.-31.7.2018

Mittwoch, 05.09.18, Wanderfahrten

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Die gemischte Ruderwanderfahrt führte uns in diesem Jahr auf die Mosel, auf Französisch liebevoll La Moselle genannt, mit einer Fließstrecke von 544km. Entsprungen in den Vogesen am Col de Bussang bildet sie die Grenze zwischen Luxemburg und Deutschland und mündet schließlich in Koblenz in den Mittelrhein.

So durften wir 30 Ruderer/Ruderinnen, davon 3 Ruderer aus Marseille,5 aus Belgien und 22 aus Heidelberg (RGH), vom 27.7.-31.7.2018 auf der Mosel eine Strecke von 117 km von Pölich bis Cochem in 4 Etappen zurücklegen, die von Brigitta Dierkes, Brigitte Haller, Lydia Prost und Lars Tykocinski bestens vorbereitet war.

Begleitet haben uns Katrin, Markus, Grant (RGH), Anne, Jacques (beide aus Marseille) und Marc (aus Brüssel, Speedy’s Ehemann) per Fahrrad und Auto, die die tolle Landschaft, aber auch all unsere Aktionen teilweise vom Ufer, meist aber auch von den vielen Brücken akribisch festhielten. Mit den radfahrenden Ruderern waren wir natürlich 36 TeilnehmerInnen.

Die Wanderfahrt fing für mich eigentlich schon am Donnerstagabend an, an dem wir die Boote, insgesamt 6 (mit Umwandlung von 2 Doppeldreiern in gesteuerte Zweier und 4 Doppelvierer) abgeriggert und aufgeladen haben. Mit energischem Einsatz und unüberhörbarer Stimme von Harald verlief die Aktion reibungslos. Im Anschluss sah das Bootshaus recht leer aus.

Freitag 27.7.2018: Deutlich später als geplant starteten wir vom Bootshaus aus. Umso erleichterter waren wir, dass uns auf der Autobahn kaum Staus aufhielten. An dem Anlegeplatz Moselherz in Pölich angekommen, war die Freude groß, die bekannten Gesichter aus Belgien wiederzusehen, aber auch neue Ruderer sowohl aus Belgien als auch aus Marseille kennenzulernen. Boris war ja fast allen schon bekannt.

Bild #1 (wird vielleicht noch nachgereicht)

Mit großem Elan machten wir uns an die Arbeit. Nachdem die Boote aufgeriggert und wir im Anschluss mit kaltem Sekt begrüßt wurden, fuhren wir zur Jugendherberge in Traben-Trarbach. Ruckzuck wurden die Zimmer eingeteilt. Wegen der Verspätung fiel das Duschen vorerst aus. Nachdem wir uns bekannt gemacht sowie die Schnarcheigenheiten geklärt hatten, eilten wir zum Grillabend in den Garten der Herberge, wo viele Köstlichkeiten auf uns warteten.

Der gemütliche Abend gab genug Gelegenheit, mit den belgischen Freunden über gemeinsam Erlebtes zu sprechen und von den französischen Ruderern Neues zu erfahren wie z.B. dass es dort eine zentrale Bootsverleihstelle gibt, die zu geplanten Wanderfahrten die gebrauchte Anzahl der Boote hinbringt und wieder abholt. Was für ein Luxus!!

Samstag 28.7.2018: Endlich rudern!!!! Geplant war die Strecke von Pölich Moselherz bei 169 km bis zum Bernkasteler Ruderverein bei 128,3 km (41 Ruderkilometer). Der Tag fing nach einem reichen Frühstück sehr angenehm an. Gut versorgt mit Wasser, Obst und Energieriegeln konnten wir zeitig starten.

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An der ersten Schleuse Detzem schon nach drei Kilometern angekommen, mussten wir lange warten. Da die Wartezeit in der prallen Sonne sich durch ein neu ankommendes Schiff, das Vorfahrt hatte, noch verlängerte, entschieden wir uns, die Schleuse durch das Tragen der Boote zu umgehen. Das war eine interessante, aufregende Erfahrung für mich, die wir aber durch den Einsatz der Erfahrenen ganz gut meisterten und nach Einsetzen der Boote das Rudern fortsetzen konnten. Kurz danach kam die 2. Überraschung in Form von starkem Regen, Sturm, Blitz und Donner, was vielen von uns Angst bereitete. Gerade, wo wir uns entschieden hatten, doch irgendwie an Land zu gehen, schien wieder die Sonne. Bei schönster Sonne, aber an bestimmten Stellen noch gänzlich durchnässt, kamen wir zeitverzögert beim Weingut Später-Veit in Piesport an. Bei einem guten Essen und tollem Ausblick von der Terrasse war wieder alles vergessen. Der Nachmittag gestaltete sich ohne Vorfälle, auch das Schleusen in Wintrich bei km 141.

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Nach Ankunft beim Bernkasteler Ruderverein, der sehr gut liegt, und Versorgen der Boote fuhren wir zurück zur Jugendherberge. Der Abend stand zur freien Verfügung mit der Möglichkeit, das dortige Weinfest zu besuchen, das wegen des lauten Jahrmarktcharakters allerdings leider nicht ganz den Erwartungen entsprach.

Sonntag 29.7.2018: Der heutige Tag fing nach dem Frühstück mit einer Stadtführung (in englischer und deutscher Begleitung) in Bernkastel-Kues an.

Unsere Begleiterin brachte uns sehr überzeugend, aber auch amüsant, die Stadtgeschichte nahe: Die Namensgebung, die Bauweise der tollen Fachwerkhäuser mit den Giebeldächern, Hochwassererlebnisse, die die Bürger immer wieder tapfer meisterten und danach von Neuem starteten.

Die Skulptur „Zwei Stellten Brunnen“ von einem tschechischen Künstler gleich bei Beginn der Führung war sehr eindrucksvoll.

Beim Gang durch die engen Gassen sahen wir große zerkratzte Steinblöcke an den Hausecken und erfuhren, dass sie durch die Anwohner in den Gehweg gerammt wurden, “sogenannten Prellsteine“, um ihre Hausecken vor dem Kratzen der Kutschen beim Abbiegen zu schützen. So entstand wohl die Redewendung „ die Kurve kratzen“.

Auf dem mittelalterlichen Markt am malerischen Michaelsbrunnen stehend bewunderten wir die Fachwerkhäuser, besonders das „Spitzhäuschen“.

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In der frei zur Verfügung stehender Mittagspause liefen einige zur Burgruine Landshut, von wo aus man einen wunderbaren Blick auf die Stadt und die Mosel hatte. Bei der Hitze tat auch der Wind auf der Höhe ganz gut.

Ab 14.00 Uhr konnten wir vom Bernkasteler Ruderverein aus Richtung Traben-Trarbach starten mit lediglich einer Schleuse bei km 123,8, die Staustufe Zeltingen, und nur 22km Gesamtstrecke.

Da wir diesmal die Sportbootsschleuse benutzen mussten, die auch noch selbst zu bedienen war, gab es etwas Aufregung. Alle Boote passten nicht gemeinsam rein, sodass in 3 Etappen geschleust wurde. Dass das letzte Boot, in dem niemand Erfahrung mit dieser Art von Schleusen hatte, alleine in die Schleuse musste und die Mannschaft fort fast verzweifelte, war nicht glücklich gelöst. Unser Boot wurde, während wir auf das letzte Boot warteten, immer wieder von größeren Motorbooten gejagt, so dass wir durch Ausweichmanöver sicherlich noch ein Paar 100 Meter hinzu ruderten. Diese Aktion ist wohl von Katrin Jörger mit der Kamera genauestens dokumentiert.

Trotz des turbulenten Weinfestes hatte das Orga-Team für den heutigen Abend in der Alten Zunftscheune reserviert. Unsere Tische befanden sich in den kühlen Kellerräumen, was natürlich nach diesem heißen Rudertag uns allen guttat. Obwohl wir vorab die Bestellungsliste abgegeben hatten, schien der Kellner bei so vielen Personen, die sich nicht mehr an ihre Bestellungen erinnerten, überfordert zu sein. Um ihn nicht mehr als notwendig zum Schwitzen zu bringen, schrieb Jacques seine Bestellungen groß auf die Serviette und hielt diese hoch.

Diese Aktion und der Versuch von Lars, dem Kellner beim Zuordnen der Bestellungen zu helfen, trug doch zu dessen Entspannung bei. Er wurde lustiger und wir konnten fast zeitgleich unser Abendessen genießen. Den Weg zurück liefen wir gemeinsam bei sternenklarem Himmel zurück.

Montag 30.7.2018: Traben-Trarbach wird das Juwel an der Mittelmosel genannt. Traben links der Mosel liegend und Trarbach rechts des Flusses auf der Hunsrückseite ist auch ein reizendes Städtchen. Interessant fand ich, dass Traben-Trarbach zu den ersten Orten in Deutschland gehört, die Ende des 19. Jahrhunderts statt Gaslampen eine elektrische Straßenbeleuchtung von der Edisongesellschaft bauen ließen.

Sowohl beim Rudern als auch bei den Spaziergängen verfolgte uns der Name „Loretta“, an einem Ausflugsschiff, Straße usw., die ich erst zu Hause nachschlagen konnte.

Loretta war die junge Witwe des Grafen Heinrich II. von Sponheim. Der bedeutende trierische Kurfürst Balduin von Luxemburg wollte die Sponheimische Grafschaft im kurfürstlichen Territorium unter seine Herrschaft bringen. Jedoch ließ die respektlose, mutige Loretta den großen Balduin im Jahre 1328 während einer Schiffsfahrt auf der Mosel gefangen nehmen und sperrte ihn für 9 Monate in Ehrenhaft. Trotz der drohenden Exkommunizierung und damit verbundenen politischen sowie gesellschaftlichen Sanktionen setzte sie ihn fest und erzwang nach zähen Verhandlungen Lösegeld und Erfüllung politischer Forderungen. Auf Grund dessen wird sie verehrt.

Zurück zum Rudern war für heute eine Strecke von 39 km. geplant von Traben-Trarbach nach Senheim mit zwei Schleusen bei Enkirch (km 102) und St. Aldegund (km 78). Nach einem reichhaltigen Frühstück ging es wieder rechtzeitig los. Unsere Pünktlichkeit wurde immer besser und die Hitze verdarb unsere Lust am Rudern keineswegs. Hungrig erreichten wir Bullay, wo der Landdienst ein buntes Picknick vorbereitet hatte. Einige sprangen zur Abkühlung in die Mosel, die Restlichen konnten in Ruhe zu naschen anfangen. Nachdem alle satt waren und ausreichend Ruhe genossen wurde, bestiegen wir erneut unsere Boote in etwas veränderter Besetzung. An tollen Hügeln, Weinbergen und interessanten alten Bauten vorbei war der Nachmittag sehr angenehm. Auch das Schleusen nach so viel Übung an den ersten Tagen und dreifachem Hipp-Hipp-Hurra für den Schleusenwart gestaltete sich unkompliziert.

Mit einem interessanten Zugang zur Senheimer Bootsanlegestelle, wo wir mit Unterstützung der auf dem Bauch liegenden Kolleginnen ohne Vorkommnisse trocken ans Land kommen konnten. Nach Versorgung der Boote, der verdienten Dusche, fuhren wir zum Weingut Immich-Anker in Enkirch. Dank Lydias Sorge und mehrmaliger Kontrolle der Waschräume wurde kein Ruderer vergessen, sodass sie alle Übriggebliebenen in einer gemütlichen Enge in dem kleinen Auto mitnahm.

Nachdem wir alle auf dem Weingut vollzählig waren, ging es auch schon mit der Kellerführung los.

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Als ein altes, familiengeführtes Traditionsweingut, hier wird wohl Wein schon seit 1425 in der Familie mit der Weitergabe von Familiengeheimnissen vom Vater zum Sohn - mittlerweile in der 17. Generation - kultiviert.

Das Weingut, in der Zwischenzeit geleitet von Daniel S. Immich (natürlich unterstützt von den erfahrenen Eltern), der auch die Kellerführung übernahm, hat sich maßgeblich der Rebsorte Riesling verschrieben. Bei diesem Rundgang erfuhren wir nebst Feinheiten der Fertigstellung, einiger Geheimnisse, Bedeutung des Weines in den Kriegsjahren sowie der Besatzung, auch, dass Feuersalamander und Fledermäuse den Keller behausten, Spinnen waren eh nicht zu übersehen. Die Pilzschichten an den Wänden müssten auch belassen werden, da sie für den Wein bei der Geschmacksentwicklung unverzichtbar seien? Wegen der angenehmen Kühle wollte keiner von uns den Keller so schnell wieder verlassen, bis die Stimme von Frau Immich das Abendessen ankündigte.

Hungrig holte sich jeder vom leckeren Salat, Kartoffelgratin und dem saftigen Braten. Nach der recht langen Weinprobe konnten wir uns bei dem diesjährigen Orga-Team hoffentlich gebührend bedanken. Nach Einholen von einigen Vorschlägen wurde schnell das Ziel der nächstjährigen Ruderwanderfahrt festgelegt. Alle freuten sich über das schnelle Zusammenfinden des fünfköpfigen Orga-Teams für das kommende Jahr, wo es an die Müritz gehen soll.

Dienstag 31.7.2018: Unser letzter gemeinsamer Tag fing etwas hektischer an unter dem Druck, auch die Betten abzuziehen, Taschen einzupacken usw. Auf Grund dessen fuhren wir nach Bootseinteilung etwas später ab, starteten aber nach diversen Gruppenaufnahmen fast pünktlich ab Senheimer Sportboot-Anlegestelle die letzte Strecke, die heute mit einer Schleuse bei der Staustufe Fankel (km 59,4) nur 15 km betragen sollte. Trotz der Hitze ruderten wir tapfer durch bis Cochem, wo wir bei einer Cochemer Rudergesellschaft km 52,4 anlegen durften. Die kalte Dusche, die nebst Bootsreinigung auch öfters uns traf, war eine Wohltat und trug sehr zu unserem Vergnügung bei. Die Boote wurden versorgt und aufgeladen, wonach wir vor der Abfahrt noch mit einem Picknick, das in den kühlen, schönen Vereinsräumen vom Orga-Team mit Liebe vorbereitet war, verwöhnt wurden.

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Auf dem Balkon mit Moselblick beim Genuss der Köstlichkeiten verabschiedeten wir uns von den Freunden, die uns schon in Cochem verließen. Auch Peter fuhr mit dem schweren Anhänger früher los.

An dieser Stelle großen Dank an Peter für diesen alljährlichen Einsatz, uns die Ruderwanderfahrt durch das Fahren mit dem Bootsanhänger zu ermöglichen.

Etwas verspätet in Heidelberg angekommen ging es wieder Mal mit vereinten Kräften an die Boote, die wieder mit Haralds Korrekturen ruderfertig ins Bootshaus gebracht wurden. Nach getaner Arbeit gab es noch einen Umtrunk und Abschied insbesondere von den französischen Freunden.

Wir können gespannt sein auf das nächste Jahr!

Großen Dank an das Organisationsteam Brigitta, Brigitte, Lydia und Lars für den verständnisvollen Umgang, Versorgung mit Wasser und all dem anderen Wichtigen, Rücksichtnahme bei den Einteilungen und Bewältigung von kritischen Momenten.

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Herzliche Grüße,

Eure Semra